23. Januar 2014, Buchvorstellung der Studie »Dersim-Aleviten in Deutschland«

Posted on Jan 24, 2014 in Buchvorstellung
23. Januar 2014, Buchvorstellung  der Studie »Dersim-Aleviten in Deutschland«

Am Donnerstag 23. Januar 2014 stellten die Autoren Mika Wagner und Dr. Hıdır Çelik ihre gemeinsame Studie über in Deutschland lebende und aus der Region Dersim stammende Aleviten vor und diskutierten ihre Ergebnisse anschließend mit den geladenen Gästen Yilmaz Kahraman, Bildungsbeauftragter der Alevitischen Gemeinde Deutschlands (AABF) und Dr.Klaus Gebauer, Verfasser eines Beitrags über die Geschichte der Aleviten in Deutschland.

Dr. Dietmar Schubert

Dr. Dietmar Schubert

Zunächst nahm die Soziologin Mika Wagner einige Begriffsdefinitionen vor, erläuterte die Vorgehensweise und den Aufbau der Studie und stellte in einer Videopräsentation Ergebnisse der Befragungen vor. Die Autoren betonten, dass eine Auseinandersetzung mit den in Deutschland lebenden kulturellen und religiösen Minderheiten, besonders noch unbekannterer Gruppen wie die der Aleviten, unabdingbar sei, um das interkulturelle Zusammenleben in unserer Gesellschaft zu fördern.
Die Studie erfasst dabei vorwiegend die in Nordrhein-Westfalen lebenden Aleviten aus Dersim, denn gerade dort hat ihre Anzahl in Folge von Zuwanderung innerhalb der letzten fünfzig Jahre stark zugenommen. Und damit auch mit dem Prozess der Integration verbundene Schwierigkeiten und Herausforderungen. Deshalb ist es auch ein Grundanliegen der Autoren, den Lesern den Glauben und die Kultur der Aleviten mit Hilfe der Studie näher zu bringen.

Mika Wagner

Mika Wagner

Im Kern der Studie steht das Selbstbild und die Selbstidentifikation der in Deutschland lebenden Aleviten und ihre Einstellung zu bestimmten Themen: Als was sehen sie sich selbst, als Alevit oder als Muslim? Wie stehen sie zum Islam? Ist er Teil ihrer Religion? Wie leben sie ihre Religion? Welches ist ihre Beziehung zum Heimat- bzw. Gastland? Und wie stehen alevitische Familien der Heirat ihrer Töchter mit deutschen Männern gegenüber?
Auffällig erscheint, dass die Befragten oftmals selbst in Bezug auf die empfundene Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe oder zu einem Glauben unschlüssig sind, weshalb eine eindeutige Einordnung des Alevitentums sowohl in der Wissenschaft als auch bei den Aleviten selbst schwer fällt. Die Meinungen gehen auch auseinander, wenn es darum geht das Alevitentum als religiöse Glaubensgemeinschaft oder als ethnische Gruppe zu klassifizieren. Weiterhin müsse man darauf achten, die aus Anatolien stammenden Aleviten von den Alawiten aus Syrien abgrenzen, die sich selbst einer Strömung des Islam zuordnen.

Dr. Klaus Gebauer

Dr. Klaus Gebauer

Die Situation sowie die Eigenwahrnehmung der Situation der Aleviten in Deutschland hängt oftmals davon ab, aus welchem Grund diese ihr Land verlassen haben. Die erste Gruppe von Aleviten verließ ihr Land in den 60er Jahren im Zuge der Arbeitsmigration, während die zweite und dritte Migrationswelle 1980 infolge politischer Verfolgung nach dem Militärputsch, und in den 80ern und 90ern infolge von Familienzusammenführung erfolgte. Daher variiert auch oftmals die Wahrnehmung des eigenen Integrationsprozesses und die Einstellung zu bestimmten Themen von Generation zu Generation und zwischen jung und alt.

Dr. Hıdır Çelik, Yilmaz Kahraman

Dr. Hıdır Çelik, Yilmaz Kahraman

Über die Situation und Struktur des alevitischen Religionsunterrichts, sowie die Organisation alevitischer Verbände in Deutschland gaben Dr. Klaus Gebauer und Yilmaz Kahraman besondere Einblicke: In den meisten Schulen in den alten Bundesländern sei es für alevitische Jugendliche mittlerweile möglich einen entsprechenden Religionsunterricht zu besuchen.

Dr. Hıdır Çelik zufolge biete die Studie eine Orientierungshilfe und einen Einblick in das das Alevitentum in Deutschland sowie eine mögliche Grundlage für zukünftige wissenschaftliche Arbeiten.


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